Mammografiescreening

Liebe Leserin, gleich zu Anfang: die Teilnahme ist eine persönliche Entscheidung, die Sie unter Berücksichtigung Ihres familiären Umfeldes und Ihres Sicherheitsbedürfnisses treffen sollten.
Gerne helfen wir Ihnen dabei.
 
Seit 2007 ist in der BRD die Vorsorge-Mammographie (Röntgenuntersuchung) für Frauen zwischen 50 und 69 eingeführt worden. Anhand der Einwohnermelderegister werden Sie alle 2 Jahre eingeladen. Dies ist eine freiwillige Maßnahme, die für alle Kassenmitglieder gilt. Mit der Mammographie sollen frühe Befunde entdeckt werden, verhindert werden kann der Brustkrebs dadurch nicht. Andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomographie werden im Rahmen der Vorsorge nicht bezahlt.
 
Nun streiten sich Befürworter und Gegner seit Jahren über den Sinn und man staunt wie aus den gleichen Zahlen immer neue Argumente gefunden werden. Man denkt an den Satz, den man Churchill zugeschrieben hat, dass man nur der Statistik glauben kann, die man selbst gefälscht hat.
 
Dabei muss man unterscheiden zwischen einem ökonomischen und individuellen Nutzen. In einem Land wie Deutschland mit hoher Facharztdichte und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungsintervallen wird statistisch über die Gesamtbevölkerung weniger Benefit für die Frauen zu erreichen sein als in Schottland, den Niederlanden oder Skandinavien, die andere Ansätze in der Gesundheitsvorsorge haben.
 
Für die Einzelne ist es aber wichtig, frühzeitig eine bösartige Neubildung zu erkennen, da sie nicht weiß, ob der Tumor aggressiv ist oder nicht. Erst nach der Gewebsentnahme kann man sagen, ob der Eingriff lebensrettend war oder nicht. Dazu die Zahlen
 
Pro Jahr gibt es über 72 000 Brustkrebsfälle in der BRD. Daraus errechnet man ein Lebenszeitrisiko von ca 1:9, d.h.im Laufe ihres Lebens hat die Frau das Risiko eine von 9 zu sein, die Brustkrebs bekommt. „Nur“ 16 000 sterben daran (40%), das sind 3% der jährlichen Todesfälle in Deutschland. Im Vergleich: 51% der Todesfälle sind Folge von Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere des Rauchens. Andersherum 60% werden durch die immer besser werdende Therapie geheilt oder der Tumor ist so harmlos, sodass er zeitlebens kein Problem mehr darstellt.
 
Jedes bildgebende Verfahren hat falsch negative und falsch positive Ergebnisse ( ca 5%)
 
Von 1000 durch Tasten untersuchte Frauen (nur in der Zeit zwischen 50 und 69 Lebensjahren) sterben 5 innerhalb von 10 Jahren an einem Mammacarcinom, von 1000 durch Mammographie im selben Zeitraum untersuchte Frauen sterben nur 4 am Mammacarcinom. Mammographie rettet also eins von 1000 Leben.
Dagegen rechnet man ca. 20 % unnötige Eingriffe, die damit verbundenen Risiken (OP, Narkose) und die psychische Belastung über Wochen bis die endgültigen Ergebnisse vorliegen.
 
Fazit: gesundheitsökonomisch wenig Sinn, aber für die einzelne Frau kann es lebensrettend sein und darum geht es ja.
Die Häufigkeit von Brustkrebs kann nur durch Veränderung des Lebensstils reduziert werden: Normalgewicht , wenig Rauchen und Alkohol und viel Sport, dazu gibt es klare Daten.