Hormonersatztherapie

Bis 2004 war es fast selbstverständlich, die Wechseljahresbeschwerden mit Hormonersatzpräparaten zu behandeln. Entweder mit Östrogenen und Gelbkörperhormon (= Gestagen) oder nur mit Östrogenen, wenn die Gebärmutter (=Uterus) schon entfernt worden war. Dann kamen 2 Studien auf den Markt, die als Nebenergebnis herausfanden, dass ein erhöhtes Mammacarcinomrisiko bei deren Einnahme bestünde. Das ist in vieler Hinsicht kritisch gesehen worden, rief viel Widerspruch hervor, was aber in der Laienpresse nicht mehr seinen Niederschlag fand. Nach Jahren der Analyse und statistischen Berechnungen ergeben sich folgende Fakten:
 
Hormonpräparate machen keinen Brustkrebs, lassen aber einen kleinen noch nicht erkennbaren Brustkrebs schneller wachsen, sofern er auf Hormone empfindlich ist.
 
Daraus ergibt sich ein Risiko, dass von 10 000 Frauen acht Frauen mehr erkranken, mit allen Konsequenzen der Operation, Bestrahlung und medikamentösen Therapie!
 
Die Sterblichkeit ist aber nicht erhöht
 
Das Problem sind nicht die Östrogene, sondern die Gestagene
 
Denn Frauen ohne Uterus, die nur ein Östrogen erhalten, erkranken nicht häufiger
 
Das Brustkrebsrisiko ist in den ersten 5 – 8 Jahren nicht erhöht, sofern man früh beginnt
 
Rauchen, Alkohol, Übergewicht und kein Sport stellen ein deutlich höheres Risiko dar
 
Der Nutzen der Hormone, aber nur wenn kurz nach der Menopause mit der Einnahme begonnen wird, liegt im Schutz vor Knochenabbau (wichtig weil Frauen sehr viel älter werden), vor Herz-Kreislauferkrankungen (sofern keine Risikofaktoren vorliegen, z.B. Diabetes), vor Darmkrebs und vor Blasen- und Scheidenbeschwerden.
 
Werden die Hormone über die Haut (Creme oder Pflaster) aufgenommen, dann ist das Erkrankungsrisiko nicht erhöht.
 
Grundsätzlich gilt nur so viel wie nötig, keine starren Einnahmeschemata, Auslassversuche.
 
Wer Brustkrebs hatte, darf keine Östrogen/Gestagenpräparate erhalten, ausgenommen lokal in die Scheide in niedrigster Dosierung (0,03 mg). Das gilt auch für Patienten mit Hirnschlag, Thrombose oder Thrombophilie in der Anamnese, mit Herzkranzgefäßverengung, Hypertonie oder Diabetes.