Thromboserisiko und Pille

Vielleicht sind sie durch die jüngsten Presseberichte bezüglich der Bildung von Blutgerinnseln (Thromboserisiko) unter der Einnahme kombinierter(also Östrogen plus Gestagen) hormoneller Kontrazeptiva ( die „Pille“) verunsichert worden.
 
Hier ein paar Fakten zur Klarstellung:
 
Grundsätzlich besteht ein Thromboserisiko für eine Frau
ohne Einnahme von Medikamenten oder der Pille von 2 von 10 000
Nehmen Sie eine kombinierte Pille mit den Gestagenen
Levonorgestrel, Norgestimat oder Noretistheronacetat ein,
dann erhöht sich das Risiko auf 6 von 10 000
Das gilt wahrscheinlich auch für Chlormadinonacetat und Dienogest
Bei der Kombination mit Desogestrel und Drospirenon liegt das Risiko bei 10-12 von 10 000
 
Nochmals, das gilt nur für kombinierte Präparate und es bleibt ein sehr seltenes Ereignis. Wer eine reine Gestagenpille ohne Östrogen hat, ist von dem Risiko nicht betroffen. Wer den NUVA-Ring oder ein Verhütungspflaster hat, hat eine geringere Risikoerhöhung.
 
Dieses Thromboserisiko ist nur im ersten Jahr der Anwendung erhöht. Das heißt, wer egal welches Präparat schon ohne Nebenwirkungen einnimmt , muss seine Pille nicht umstellen !!
Das größte Thromboserisiko für eine Frau ist neben einer größeren Operation die Schwangerschaft. Hier treten Thrombosen bei 5 – 30 von 10 000 Frauen auf, je nach dem, ob eine Schwangerschaft mit Komplikationen (z.B. Hochdruck, Kaiserschnitt, Diabetes) oder ohne verläuft. Dies gilt es bei der Nutzen/Risiko-Abwägung zu bedenken !
 
Die Gefahr für ein Blutgerinnsel mit Gefäßverschluss und folgender Lungenembolie ist besonders hoch bei starkem Übergewicht, beim Rauchen und erhöht sich nochmals bei einem Alter über 35 Jahren. Die Pille sollten Sie auch nicht nehmen, wenn ein nächster Angehöriger ohne Risikofaktoren aus heiterem Himmel sozusagen, in jungen Jahren (< 50Jahre) einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie, auch als Folge einer tiefen Beinvenenthrombose hatte. Dann könnte eine erbliche Gerinnungsstörung vorliegen.    

Änderungen in der Krebsvorsorge

Es pfeifen inzwischen die Spatzen von allen Dächern und ich will Sie langsam darauf vorbereiten. 2017 ist eine neue Strukturierung der Vorsorge bei der Frau geplant. Ich nehme an, dass ab nächstem Jahr in Presse und Verbänden viel darüber gestritten wird.
 
Welche Interessen sich dahinter verbergen, ein Programm mit hervorragenden Ergebnissen bei der Verhinderung des Gebärmutterhalskrebses zu verändern, bleibt erst mal schleierhaft. Die Rate dieser Krebsart ist seit Einführung des Muttermundabstriches und der damit möglichen frühzeitigen Therapie um 80 % gesenkt worden.
 
Bisher wird der Abstrich vom Muttermund ab dem 20.LJ jährlich gezahlt. Diese Untersuchung ermöglicht bei regelmäßiger Teilnahme die frühzeitige Entdeckung gefährlich veränderter Zellen, die zu Gebärmutterhalskrebs werden können. Zu dieser Vorsorgeuntersuchung gehört auch das Abtasten von Gebärmutter, Eierstöcken und der Brust. Den Ultraschall beinhaltet sie leider nicht.
 

    Die Neustrukturierung sieht vor, dass der Abstrich vom Muttermund, nur noch bei den Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr jährlich abgenommen wird.
     
    Danach soll ein Einladungssystem (von der Krankenkasse) eingeführt werden, bei dem Sie sich verbindlich entscheiden müssen, ob sie weiter jährlich einen Abstrich wollen oder alle 5 Jahre einen Test auf den humanen Papilloma-Virus (HPV). Dieser Virus ist für die Krebsentstehung verantwortlich.

 
Das jetzige 1-jährige Vorsorgeintervall führt innerhalb von 3 Jahren zu einer Teilnehmerrate von 80% und erkennt über 90% der Hochrisikoveränderungen. Die geplanten Einladungsmodelle müssen von Ihnen durch Krankenkassenbeiträge finanziert werden und werden zu keiner höheren Teilnehmerrate führen.
 
Das größte Problem ist aber die falsch negative Rate (d.h. fälschlicher Weise wird mit dem Test kein Virus nachgewiesen) von mind. 13-25 %. Wenn also der HPV-Test keinen Anhalt für eine Infektion ergibt, kann sich in den folgenden 5 Jahren in Ruhe ein Karzinom entwickeln. Der jährliche Zellabstrich dagegen kommt der gefährlichen Entwicklung viel schneller auf die Spur.
 
Andererseits verursacht der alleinige Virustest viel Unsicherheit. Denn der sagt nur aus, dass der Virus nachweisbar ist, aber nichts über Zellveränderungen. Die sind aber entscheidend für die Beurteilung der Situation, nämlich ob man bei leichten Veränderungen abwarten kann oder bei schwergradigen operativ eingreifen muss. Meist heilt die Infektion innerhalb von 1-3 Jahren folgenlos aus.
 
Der Virustest in gewissen zeitlichen Abständen oder bei Auftreten eines auffälligen zytologischen Befundes hat durchaus seine Berechtigung und dient der Diagnosesicherheit, sollte aber meiner Meinung nach als einziger Test in einem 5-Jahres-Abstand nicht eingesetzt werden. Bedenken sie, dass die jährliche Untersuchung zur Krebs-Früherkennung auch die Brust, die Eierstöcke und die Gebärmutter umfasst. In der Menopause nimmt außerdem auch die Rate an bösartigen Veränderungen der Schamlippen(Vulva) und der Scheide deutlich zu. Nur durch die regelmäßige Teilnahme an der Vorsorge kann die Erkrankung rechtzeitig entdeckt und geheilt werden.
 
 

Hormonersatztherapie

Bis 2004 war es fast selbstverständlich, die Wechseljahresbeschwerden mit Hormonersatzpräparaten zu behandeln. Entweder mit Östrogenen und Gelbkörperhormon (= Gestagen) oder nur mit Östrogenen, wenn die Gebärmutter (=Uterus) schon entfernt worden war. Dann kamen 2 Studien auf den Markt, die als Nebenergebnis herausfanden, dass ein erhöhtes Mammacarcinomrisiko bei deren Einnahme bestünde. Das ist in vieler Hinsicht kritisch gesehen worden, rief viel Widerspruch hervor, was aber in der Laienpresse nicht mehr seinen Niederschlag fand. Nach Jahren der Analyse und statistischen Berechnungen ergeben sich folgende Fakten:
 
Hormonpräparate machen keinen Brustkrebs, lassen aber einen kleinen noch nicht erkennbaren Brustkrebs schneller wachsen, sofern er auf Hormone empfindlich ist.
 
Daraus ergibt sich ein Risiko, dass von 10 000 Frauen acht Frauen mehr erkranken, mit allen Konsequenzen der Operation, Bestrahlung und medikamentösen Therapie!
 
Die Sterblichkeit ist aber nicht erhöht
 
Das Problem sind nicht die Östrogene, sondern die Gestagene
 
Denn Frauen ohne Uterus, die nur ein Östrogen erhalten, erkranken nicht häufiger
 
Das Brustkrebsrisiko ist in den ersten 5 – 8 Jahren nicht erhöht, sofern man früh beginnt
 
Rauchen, Alkohol, Übergewicht und kein Sport stellen ein deutlich höheres Risiko dar
 
Der Nutzen der Hormone, aber nur wenn kurz nach der Menopause mit der Einnahme begonnen wird, liegt im Schutz vor Knochenabbau (wichtig weil Frauen sehr viel älter werden), vor Herz-Kreislauferkrankungen (sofern keine Risikofaktoren vorliegen, z.B. Diabetes), vor Darmkrebs und vor Blasen- und Scheidenbeschwerden.
 
Werden die Hormone über die Haut (Creme oder Pflaster) aufgenommen, dann ist das Erkrankungsrisiko nicht erhöht.
 
Grundsätzlich gilt nur so viel wie nötig, keine starren Einnahmeschemata, Auslassversuche.
 
Wer Brustkrebs hatte, darf keine Östrogen/Gestagenpräparate erhalten, ausgenommen lokal in die Scheide in niedrigster Dosierung (0,03 mg). Das gilt auch für Patienten mit Hirnschlag, Thrombose oder Thrombophilie in der Anamnese, mit Herzkranzgefäßverengung, Hypertonie oder Diabetes.

 
 

Mammografiescreening

Liebe Leserin, gleich zu Anfang: die Teilnahme ist eine persönliche Entscheidung, die Sie unter Berücksichtigung Ihres familiären Umfeldes und Ihres Sicherheitsbedürfnisses treffen sollten.
Gerne helfen wir Ihnen dabei.
 
Seit 2007 ist in der BRD die Vorsorge-Mammographie (Röntgenuntersuchung) für Frauen zwischen 50 und 69 eingeführt worden. Anhand der Einwohnermelderegister werden Sie alle 2 Jahre eingeladen. Dies ist eine freiwillige Maßnahme, die für alle Kassenmitglieder gilt. Mit der Mammographie sollen frühe Befunde entdeckt werden, verhindert werden kann der Brustkrebs dadurch nicht. Andere bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomographie werden im Rahmen der Vorsorge nicht bezahlt.
 
Nun streiten sich Befürworter und Gegner seit Jahren über den Sinn und man staunt wie aus den gleichen Zahlen immer neue Argumente gefunden werden. Man denkt an den Satz, den man Churchill zugeschrieben hat, dass man nur der Statistik glauben kann, die man selbst gefälscht hat.
 
Dabei muss man unterscheiden zwischen einem ökonomischen und individuellen Nutzen. In einem Land wie Deutschland mit hoher Facharztdichte und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungsintervallen wird statistisch über die Gesamtbevölkerung weniger Benefit für die Frauen zu erreichen sein als in Schottland, den Niederlanden oder Skandinavien, die andere Ansätze in der Gesundheitsvorsorge haben.
 
Für die Einzelne ist es aber wichtig, frühzeitig eine bösartige Neubildung zu erkennen, da sie nicht weiß, ob der Tumor aggressiv ist oder nicht. Erst nach der Gewebsentnahme kann man sagen, ob der Eingriff lebensrettend war oder nicht. Dazu die Zahlen
 
Pro Jahr gibt es über 72 000 Brustkrebsfälle in der BRD. Daraus errechnet man ein Lebenszeitrisiko von ca 1:9, d.h.im Laufe ihres Lebens hat die Frau das Risiko eine von 9 zu sein, die Brustkrebs bekommt. „Nur“ 16 000 sterben daran (40%), das sind 3% der jährlichen Todesfälle in Deutschland. Im Vergleich: 51% der Todesfälle sind Folge von Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere des Rauchens. Andersherum 60% werden durch die immer besser werdende Therapie geheilt oder der Tumor ist so harmlos, sodass er zeitlebens kein Problem mehr darstellt.
 
Jedes bildgebende Verfahren hat falsch negative und falsch positive Ergebnisse ( ca 5%)
 
Von 1000 durch Tasten untersuchte Frauen (nur in der Zeit zwischen 50 und 69 Lebensjahren) sterben 5 innerhalb von 10 Jahren an einem Mammacarcinom, von 1000 durch Mammographie im selben Zeitraum untersuchte Frauen sterben nur 4 am Mammacarcinom. Mammographie rettet also eins von 1000 Leben.
Dagegen rechnet man ca. 20 % unnötige Eingriffe, die damit verbundenen Risiken (OP, Narkose) und die psychische Belastung über Wochen bis die endgültigen Ergebnisse vorliegen.
 
Fazit: gesundheitsökonomisch wenig Sinn, aber für die einzelne Frau kann es lebensrettend sein und darum geht es ja.
Die Häufigkeit von Brustkrebs kann nur durch Veränderung des Lebensstils reduziert werden: Normalgewicht , wenig Rauchen und Alkohol und viel Sport, dazu gibt es klare Daten.