Änderungen in der Krebsvorsorge

Es pfeifen inzwischen die Spatzen von allen Dächern und ich will Sie langsam darauf vorbereiten. 2017 ist eine neue Strukturierung der Vorsorge bei der Frau geplant. Ich nehme an, dass ab nächstem Jahr in Presse und Verbänden viel darüber gestritten wird.
 
Welche Interessen sich dahinter verbergen, ein Programm mit hervorragenden Ergebnissen bei der Verhinderung des Gebärmutterhalskrebses zu verändern, bleibt erst mal schleierhaft. Die Rate dieser Krebsart ist seit Einführung des Muttermundabstriches und der damit möglichen frühzeitigen Therapie um 80 % gesenkt worden.
 
Bisher wird der Abstrich vom Muttermund ab dem 20.LJ jährlich gezahlt. Diese Untersuchung ermöglicht bei regelmäßiger Teilnahme die frühzeitige Entdeckung gefährlich veränderter Zellen, die zu Gebärmutterhalskrebs werden können. Zu dieser Vorsorgeuntersuchung gehört auch das Abtasten von Gebärmutter, Eierstöcken und der Brust. Den Ultraschall beinhaltet sie leider nicht.
 

    Die Neustrukturierung sieht vor, dass der Abstrich vom Muttermund, nur noch bei den Frauen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr jährlich abgenommen wird.
     
    Danach soll ein Einladungssystem (von der Krankenkasse) eingeführt werden, bei dem Sie sich verbindlich entscheiden müssen, ob sie weiter jährlich einen Abstrich wollen oder alle 5 Jahre einen Test auf den humanen Papilloma-Virus (HPV). Dieser Virus ist für die Krebsentstehung verantwortlich.

 
Das jetzige 1-jährige Vorsorgeintervall führt innerhalb von 3 Jahren zu einer Teilnehmerrate von 80% und erkennt über 90% der Hochrisikoveränderungen. Die geplanten Einladungsmodelle müssen von Ihnen durch Krankenkassenbeiträge finanziert werden und werden zu keiner höheren Teilnehmerrate führen.
 
Das größte Problem ist aber die falsch negative Rate (d.h. fälschlicher Weise wird mit dem Test kein Virus nachgewiesen) von mind. 13-25 %. Wenn also der HPV-Test keinen Anhalt für eine Infektion ergibt, kann sich in den folgenden 5 Jahren in Ruhe ein Karzinom entwickeln. Der jährliche Zellabstrich dagegen kommt der gefährlichen Entwicklung viel schneller auf die Spur.
 
Andererseits verursacht der alleinige Virustest viel Unsicherheit. Denn der sagt nur aus, dass der Virus nachweisbar ist, aber nichts über Zellveränderungen. Die sind aber entscheidend für die Beurteilung der Situation, nämlich ob man bei leichten Veränderungen abwarten kann oder bei schwergradigen operativ eingreifen muss. Meist heilt die Infektion innerhalb von 1-3 Jahren folgenlos aus.
 
Der Virustest in gewissen zeitlichen Abständen oder bei Auftreten eines auffälligen zytologischen Befundes hat durchaus seine Berechtigung und dient der Diagnosesicherheit, sollte aber meiner Meinung nach als einziger Test in einem 5-Jahres-Abstand nicht eingesetzt werden. Bedenken sie, dass die jährliche Untersuchung zur Krebs-Früherkennung auch die Brust, die Eierstöcke und die Gebärmutter umfasst. In der Menopause nimmt außerdem auch die Rate an bösartigen Veränderungen der Schamlippen(Vulva) und der Scheide deutlich zu. Nur durch die regelmäßige Teilnahme an der Vorsorge kann die Erkrankung rechtzeitig entdeckt und geheilt werden.